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Gesundheitspark Bad Segeberg

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Geplanter Gesundheitspark in Bad Segeberg soll ohne große Investition auskommen – Bessere Vernetzung des bestehenden Angebots

Bad Segeberg – Spätestens als der Satz fiel „Also, ich hätte jetzt gern erst einmal eine Definition von „Kunst" vorweg", war klar: Hier rollen so schnell keine Bagger an. Doch die Bürgerveranstaltung in der Jugendbildungsstätte Mühle war auch nur so etwas wie eine erste Ideensammlung, neudeutsch: „Brainstorming", um Gedanken zum geplanten Gesundheitspark „Cor Magicum" („Magisches Herz") zusammen zu tragen. Bei Schnittchen, Kaffee, Filzstiften und Flipcharts wurde darüber diskutiert, wie aus Bad Segeberg ein solcher Gesundheitspark werden könnte. Tendenz: kein großes neues Bauwerk schaffen, sondern vorhandene Angebote besser vernetzen und zentral vermarkten.

Das Land Schleswig-Holstein und die Europäische Union haben 19 000 Euro an Fördergeld für die Entwicklung eines Gesundheitsparks zur Verfügung gestellt; zusammen mit Summen von unter anderem der Stadt Bad Segeberg und den Segeberger Kliniken kostet das Projekt rund 28 000 Euro. Drei Planungsbüros sind mit der „Operation Gesundheitspark" befasst. Das Problem ist, dass sich hinter diesem zugegebenermaßen dynamischen Begriff so ziemlich alles verbergen kann, wie Joachim Möller, Diplomingenieur für Freiraum- und Landschaftsplanung, vom Büro Planung+Moderation den rund siebzig Zuhörern klar machte. Auch Mario Mensing von der Lübecker Firma CIMA, die schon vor zehn Jahren in Bad Segeberg zu den Geburtshelfern des Stadtmarketing gehörte, erläuterte, wie vielfältig die Möglichkeiten sind. In Köln wird gerade ein 25-Millionen-Euro-Park mit diversen Gesundheitsvorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, Sportangeboten und einer Grundschule für 150 Kinder hingesetzt – entworfen auf dem Reißbrett. Bad Waldsee in Oberschwaben hingegen bietet landschaftlich eine ähnliche Struktur wie Bad Segeberg und hat sich dafür entschieden, seinen „Gesundheitspark" mit dem zu bestücken, was ohnehin schon da ist – und das Ganze lediglich unter der zugkräftigen neuen Marke anzubieten. Schwaben sind nun mal sparsam.
In Bad Gottleuba im Erzgebirge wurde eine komplette Jugendsteilparkanlage mit Hotel und Schule geschaffen, am Tegernsee ist der Park wiederum ein virtuelles Netzwerk von Gesundheitsanbietern, in Trier wurde eine Art „Gesundheits-Volkshochschule" aus einer Bürgerbewegung heraus gegründet.
Und wohin soll es in Bad Segeberg gehen? Die Voraussetzungen der Kreisstadt sind nach Einschätzungen von Moderator Möller hervorragend. „Sie haben mit dem See ein unglaublich tolles Potenzial", schwärmte er. Nur müsse man das Gewässer als Nicht-Ortskundiger bitteschön auch finden können. Die Verbindung von der Innenstadt zum Großen Segeberger See ist ein Dauerbrenner in der Stadtplanung. Mit den Segeberger Kliniken ist ein renommierter und vielseitiger Anbieter von High-Tech-Medizin vor Ort und vom Herzzentrum und der Allgemeinen Klinik (AK) zum See ist es nur ein Katzensprung. Nur muss die Katze erst einmal zum Springen animiert werden.
Zielgruppe des Gesundheitsparks sind laut Möller die Einheimischen – wobei Touristen natürlich auch willkommen sind. Zu den Stärken der Stadt gehöre das vielseitige Angebot rund um den See: Wandern, Joggen, Walken, Radfahren, Minigolf, Skaten, Reiten, Rudern, Segeln und nebenbei eine Boule-Partie- alles möglich. „Bei den Wasserangeboten muss man aber in einem Verein sein, um sie nutzen zu können", kritisiert Möller. Hier sei mehr Offenheit gefragt. Zu den weiteren Schwächen zählen nach seiner Meinung die krude Innenstadt-Anbindung, fehlende Attraktionen am See, ein ausbaufähiges Wanderwegsystem und der mittelhübsche Kurpark.
Laut CIMA-Experte Mensing ist „Medical WEllness" also das Entspannen mit Fitnesss-Angeboten ein „wachsendes Marktsegment". Hier habe Bad Segeberg die Chance, sich ein Teil des frischen Kuchens abzuschneiden. Die Bereitschaft der Menschen, Geld für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auszugeben wachse beträchtlich, Das gehe über die klassische Kur hinaus. Man wolle im Urlaub eine Anleitung dafür, seinen Lebensstil dauerhaft zu ändern. In Bad Segeberg gebe es im übrigen über dreihundert Anbieter im Gesundheits- und Wellness-Sektor, rechnete Mensing vor. Im Einzugsgebiet der Stadt mit ihren rund 16 000 Einwohnern befänden sich etwa 3,5 Millionen Menschen: alle innerhalb von 60 Minuten mit dem Auto in Bad Segeberg, auch aus Kiel, Hamburg und Lübeck.
In Arbeitsgruppen rückten die siebzig Teilnehmer in der Mühle dem Gesundheitspark-Konzepot auf die Pelle. Keine Idee wurde darauf überprüft, ob sie baulich machbar und überhaupt bezahlbar ist. Es wurde erstmal kreativ „gesponnen" – im positiven Sinne. Nach viereinhalbstündiger Sitzung wurde deutlich, dass Bad Segeberg weder Platz noch Geld für einen gebauten Park hat – es sei denn auf dem alten Kasernengelände, aber von dort zum See ist es doch ein bisschen weit um die Bundesstraße 206 ist nicht allzu heimelig. Stattdessen sollte Bad Segeberg seine vorhandenen Angebote bündeln und als „Gesundheitspark" vermarkten. Neue Einrichtungen wie ein Ponton-Café auf dem Großen Segeberger See, ein ausgedehnter Kunstpfad (wobei der Begriff „Kunst" ja noch einmal diskutiert und definiert werden soll) rund um das Gewässer, Meditationsräume, ein Sinnesgarten mit Tai-Chi-Angeboten und ein Zentrum für Naturmedizin könnten das Konzept abrunden. Die drei Experten-Büros werden die Ideen nun sammeln, bewerten und dann in ein Konzept einfließen lassen. Auch eine indianische gestaltete Verbindung von Kalkberg und Großem See ist denkbar.
Abstand genommen wurde in der Mühle allerdings von dem Gedanken, das Thema Karl May mit dem Gesundheitsangeboten zu verknüpfen. Es fand sich einfach keine clevere Verbindung. Zur Not könnte der Autor im nächsten Jahr ins „Halbblut"-Stück ja ein paar zusätzliche Medizinmänner einbauen.

Segeberger Zeitung, 05.10.2009
Michael Stamp